Lernen, Erinnern, Vergessen – Wie zuverlässig ist unser Gehirn?

Quelle: Center for Behavioral Brain Sciences, OVGU Magdeburg / Foto: D. Mahler

Vortrag von Prof. Dr. Eckart Gundelfinger, Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg, in der Vortragreihe Science & Society

06.02.2020 · FV Gesundes Altern / Healthy Ageing

Unser Gehirn hat keine Festplatte, wie ein Computer. Vielmehr werden Gedächtnisinhalte, persönliche Erinnerungen beispielsweise, dezentral gespeichert, ständig umgebaut und mit neuen Informationen verknüpft. Das bedeutet, mit jedem Abruf einer Erinnerung, wird der Eintrag neu eingespeichert und kann
- in Abhängigkeit von der Situation zum Zeitpunkt des Abrufs - auch verändert werden. Unser Gedächtnis ist also sehr dynamisch. Offenbar hat sich das Gehirn während der Evolution nicht als zuverlässiger Datenspeicher entwickelt, vielmehr ist es ein Instrument, mit dem wir unser zukünftiges Handeln flexibel planen können. Doch dazu bedarf es einen großen Erfahrungsschatz, aber nicht notwendigerweise unendlich viel Detailinformation. Die Veränderlichkeit unseres Gedächtnisses hat wichtige Implikationen, z.B. für die Rechtsprechung oder auch für das Älterwerden. Neurowissenschaftler kommen nach und nach den Mechanismen des dynamischen Gedächtnisses auf die Spur.

Eckart D. Gundelfinger ist Professor für molekulare Neurobiologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und einer der Sprecher des Center for Behavioral Brain Sciences (CBBS) in Magdeburg. Er studierte Biologie an der Universität Stuttgart, forschte für seine Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen und war danach zwei Jahre als Postdoktorand am EMBL in Heidelberg tätig. Ab 1984 widmete er sich der Frage, wie Nervenzellen kommunizieren, zunächst am Zentrum für Molekularbiologie der Universität Heidelberg und ab 1988 am Zentrum für molekulare Neurobiologie in Hamburg. Seit 1992 leitet er die Abteilung für Neurochemie & Molekularbiologie am Leibniz-Institut für Neurobiologie – Zentrum für Lern- und Gedächtnisforschung (LIN) in Magdeburg. Von 2010 bis 2019 war er Direktor des LIN. 

Gehirnfunktionen, wie das Lernen und Gedächtnis, basieren auf der Leistungsfähigkeit chemischer Synapsen, d.h. auf der Dynamik und Plastizität dieser hoch spezialisierten Zellkontakte. Die Forschung von Prof. Gundelfinger am LIN befasst sich mit den molekularen und zellulären Mechanismen synaptischer Plastizität, die Lern- und Gedächtnisprozessen zugrunde liegen, im gesunden und deren Fehlfunktionen im erkrankten Gehirn. 

Im Rahmen der Science & Society-Reihe hält Prof. Eckart Gundelfinger einen Vortrag zum Thema „Lernen, Erinnern, Vergessen – Wie zuverlässig ist unser Gehirn?“ und gibt einen Einblick, wie unser Gehirn funktioniert, wie entschieden wird, welche Informationen gespeichert und welche vergessen werden, wie sich Nervenzellen fit halten und was geschieht, wenn sie altern.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen am

Donnerstag, 27. Februar 2020, 16:00 Uhr
Hörsaal Abbe-Zentrum Beutenberg,
Hans-Knöll-Str.1, 07745 Jena