Leibniz-Forschungsverbund
Gesundes Altern

© Quelle: llja Hendel / Wissenschaft im Dialog

Aktuelles & Forschungsergebnisse

Jeder vierte 80-Jährige Deutsche leidet an Typ-2-Diabetes

13. Juni 2016 DDZ Deutsches Diabetes-Zentrum

"Die Daten haben erstmalig gezeigt, dass in Deutschland jeder vierte Mensch ab 80 Jahren an einem Typ-2-Diabetes leidet", betont Prof. Dr. Oliver Kuß, Direktor am Institut für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum. „Inwiefern für diese wachsende Bevölkerungsgruppe ein besonderer Versorgungsbedarf, ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und Sterblichkeit besteht, müssen weitere Studien zeigen", unterstreicht sein Kollege, Privatdozent Dr. Wolfgang Rathmann. Bislang gäbe es kaum Untersuchungen für die Altersgruppe ab 80 Jahren, da diese in populationsbasierten Studien in der Regel unterrepräsentiert seien, so die Forscher weiter. Aus ihren Ergebnissen leiten die Wissenschaftler entsprechend ab, dass bei einer Prävalenz von rund 24 Prozent der über 80-Jährigen ungefähr 1 Million Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland in dieser Altersgruppe leben.


Auch die allgemeine Neuerkrankungsrate über alle Altersgruppen ließ sich aus den Versichertendaten schätzen. So bekamen im Jahr 2010 570.000 Personen eine neue Diabetes-Diagnose. Diese Zahl übertrifft sämtliche bisherigen Schätzungen. „Die hohe Anzahl von Neuerkrankungen in unserer Studie lässt sich durch die fehlenden Daten in anderen Erhebungen erklären. Dort fehlte uns die wichtige Altersgruppe ab 80 Jahren", sagt Rathmann. Rechnet man die Daten auf das Jahr 2015 hoch, erhielten sogar 595.000 Personen eine neue Diabetes-Diagnose, was fast der Einwohnerzahl der Stadt Düsseldorf entspricht.

Bislang erlaubten epidemiologische Studien in Deutschland zum Diabetes mellitus aufgrund fehlender Daten nur ungenaue Aussagen über spezifische Altersgruppen und damit in der Folge keine zuverlässigen Hochrechnungen auf die Gesamtbevölkerung. Durch die Datentransparenzverordnung (2012) und die erstmalige Bereitstellung von krankenkassenübergreifenden Routinedaten konnte nun eine entscheidende Datenlücke geschlossen werden. Die Wissenschaftler des DDZ errechneten neue Schätzungen zur Häufigkeit des Typ-2-Diabetes in Deutschland in Bezug auf alters- und geschlechterspezifische Altersgruppen sowie zur Gesamtprävalenz und Inzidenz (Neuerkrankungsrate).

Ergebnisse
Eine Diabetes-Diagnose wurde im Jahr 2009 bei 9,7 Prozent der 65,6 Millionen GKV-Versicherten festgestellt, im Jahr 2010 bei 9,9 Prozent. Nach Standardisierung auf die deutsche Bevölkerung lag die Prävalenz des Typ-2-Diabetes bei 6,9 Prozent (2009) beziehungsweise 7,1 Prozent (2010). 2,5 Prozent entfielen auf Diagnosen zu sonstigem und unklarem Diabetes. 0,3 Prozent machten den Typ-1-Diabetes aus.

Es zeigte sich, dass die Prävalenz des Typ-2-Diabetes etwa ab dem 50. Lebensjahr in beiden Untersuchungsjahren sprunghaft anstieg und bei den GKV-Versicherten im Alter von etwa 80 Jahren ihren Höhepunkt bei rund 25 Prozent in der Altersgruppe erreicht. Zwischen dem 40. und 80. Lebensjahr stieg die Prävalenz des Typ-2-Diabetes bei Männern deutlich höher als bei Frauen an. Nach dem 80. Lebensjahr bewegte sich die Prävalenz bei beiden Geschlechtern auf vergleichbarem Niveau und sank bei der Altersgruppe ab 100 Jahren.

Die Studie wurde in der Zeitschrift "Deutsches Ärzteblatt" veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie unter www.aerzteblatt.de

Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) versteht sich als deutsches Referenzzentrum zum Krankheitsbild Diabetes. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Gleichzeitig soll die epidemiologische Datenlage in Deutschland verbessert werden. Federführend leitet das DDZ die multizentrisch aufgebaute Deutsche Diabetes-Studie. Es ist Ansprechpartner für alle Akteure im Gesundheitswesen, bereitet wissenschaftliche Informationen zu Diabetes mellitus auf und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das DDZ gehört der „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz" (WGL) an und ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD e.V.).

Aktuelle Pressemitteilungen des DDZ finden Sie im Internet unter www.ddz.uni-duesseldorf.de

DDZ-Pressebilder dürfen nur für redaktionelle Zwecke unter der Führung des Bildnachweises: „Quelle: DDZ e.V." verwendet werden. Der Abdruck ist honorarfrei. Wir bitten jedoch um Zusendung eines Belegexemplars bzw. einen Hinweis zum Ort der Veröffentlichung.

Ansprechpartner am DDZ für weitere Fragen ist:

Christina A. Becker
Pressesprecherin
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tel.: 0211-3382-450
E-Mail: Christina.Becker(at)ddz.uni-duesseldorf.de

Institut für Biometrie und Epidemiologie
Prof. Dr. Oliver Kuß
PD Dr. med. Wolfgang Rathmann, MSPH
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
E-Mail: Oliver.Kuss(at)ddz.uni-duesseldorf.de
E-Mail: Wolfgang.Rathmann(at)ddz.uni-duesseldorf.de